01Das eigene Ufer

Woran wir arbeiten können

Kommunikation und Selbstvertretung: sagen können, was du brauchst

Selbstvertretung heisst, für die eigenen Bedürfnisse einzustehen, so dass andere sie verstehen und darauf eingehen können. Im Coaching findest du heraus, was dir eigentlich fehlt, suchst Worte, die zu dir passen, und bereitest wichtige Gespräche mit Schule, Lehrbetrieb oder Familie vor. Schritt für Schritt, bis du dich selbst vertrittst.

Für Jugendliche und junge Erwachsene von 14 bis 25 · mit oder ohne Diagnose · online und in Rheinfelden

Zwei verschiedene Wildblumen wachsen nah beieinander.

02Wiedererkennen

Wenn du weisst, was du brauchst, aber die Worte fehlen

Fünf Sätze, die viele kennen. Es sind typische Beispiele, keine Zitate und kein Test. Vielleicht erkennst du dich in einem davon wieder, vielleicht in keinem.

Typische Beispiele aus der Arbeit mit neurodivergenten Menschen, keine Aussagen von Klientinnen oder Klienten.

03Verstehen

Warum Verständigung in beide Richtungen schiefgehen kann

Zwischen dem inneren Satz „So geht das nicht weiter“ und einem Satz, den du einer Lehrperson, deiner Berufsbildnerin oder deinen Eltern sagen kannst, liegt eine ganze Strecke. Manchmal fehlen die Worte. Manchmal ist klar, was du sagen willst, aber nicht, wie es ankommt. Manchmal merkst du nur, dass etwas nicht stimmt.

Lange galt die Annahme, autistische Menschen hätten einfach Schwierigkeiten mit Kommunikation. Damian Milton hat 2012 das Double-Empathy-Problem beschrieben: Missverständnisse zwischen autistischen und nicht-autistischen Menschen entstehen auf beiden Seiten, weil beide unterschiedlich wahrnehmen und kommunizieren. Das verschiebt die Frage von „Was ist falsch an dir?“ zu „Wie verstehen wir einander?“

Bei ADHS kommt oft etwas anderes dazu. Russell Barkley beschreibt die Regulation von Gefühlen als Teil der exekutiven Funktionen. Kritik kann deshalb sehr heftig ankommen, und im Moment der Aufregung ist es schwer, die passenden Worte zu finden. Das ist keine Überempfindlichkeit, sondern eine Frage der Regulation.

Und viele neurodivergente Menschen haben früh gelernt, dass Mitmachen weniger Ärger bedeutet. Dieses Anpassen, oft Masking genannt, funktioniert. Es kostet aber Kraft und macht es schwer zu merken, was man selbst eigentlich braucht. Wenn sich Anforderungen wie Kontrollverlust anfühlen, schaltet das Nervensystem auf Schutz. Auch das ist kein Trotz.

04Die Brücke

Wie Selbstvertretung im Coaching wachsen kann

Selbstvertretung entsteht nicht auf einmal. Wir gehen in vier Schritten vor, und du bestimmst, wann der nächste dran ist.

  1. Gemeinsam vorbereiten

    Zuerst wird aus einem Gefühl eine Information: Wann genau ist es schwer? Was passiert dann? Was würde helfen, in einer idealen und in einer machbaren Variante? „Ich halte das nicht aus“ ist wahr. „Ab der dritten Stunde verliere ich im lauten Raum den Faden“ lässt sich besprechen. Dann klären wir: Was willst du erreichen, was ist dein Minimum, womit fängst du an?

  2. Du sprichst

    Wir suchen Formulierungen, die du wirklich sagen würdest, kein Skript aus einem Ratgeber. Bewährt hat sich die Reihenfolge Anliegen, Beispiel, Vorschlag. Wenn Sprechen unter Druck schwerfällt, ist eine E-Mail oder ein Zettel kein Notbehelf, sondern oft der passendere Weg.

  3. Ich unterstütze

    Wo es sinnvoll ist, kann ich in ausgewählten Situationen bei einem wichtigen Gespräch dabei sein, etwa an der Schule oder im Lehrbetrieb. Ich spreche dann nicht für dich. Ich halte den Faden, wenn er dir abreisst, und werte danach mit dir aus, was passiert ist.

  4. Du vertrittst dich selbst

    Mit jeder Auswertung wächst, was du ins nächste Gespräch mitnimmst: Was lag an dir, was am Gegenüber, was an der Situation? Mit der Zeit können die Termine kürzer und seltener werden, weil du mich weniger brauchst. Genau darum geht es.

Der Boden darunter: Regulation vor dem Gespräch

Ein schwieriges Gespräch gelingt selten aus der Überlastung heraus. Deshalb gehören deine Frühwarnzeichen und ein Plan für eine kurze Pause zur Vorbereitung dazu.

Grenzen setzen, bevor nichts mehr geht

Nein sagen, solange es noch geht, ist eine der schwersten Übungen für Menschen, die gelernt haben, dass Mitmachen weniger Ärger bedeutet. Wir üben es an kleinen, echten Situationen aus deiner Woche. Und wir schauen, was du tust, wenn die Antwort trotzdem Nein lautet: nachfragen, was möglich wäre, etwas befristet ausprobieren oder bewusst loslassen.

Worauf das fachlich aufbaut

Die Arbeit verbindet lösungsorientiertes und systemisches Coaching mit dem Double-Empathy-Problem nach Damian Milton und Forschung zur emotionalen Regulation bei ADHS. Joining und Pacing heisst: Wir beginnen in deinem Tempo und mit deinen Worten. Ausführlich beschrieben unter So arbeite ich.

05Für Eltern

Für Eltern: unterstützen, ohne für Ihr Kind zu sprechen

Wenn Ihr Kind in Gesprächen nicht für sich einsteht, ist der naheliegende Reflex, es zu übernehmen. Kurzfristig funktioniert das oft. Langfristig bleibt die Fähigkeit dort, wo sie ist.

Hilfreicher ist meist, mitzudenken statt mitzureden: gemeinsam überlegen, was gesagt werden soll, und Ihrem Kind das Sprechen zutrauen. Auch Ihre eigene Sprache kann Druck herausnehmen. Ein deklarativer Satz wie „Morgen ist das Gespräch mit der Lehrerin.“ lässt mehr Raum als „Du musst das morgen endlich ansprechen!“

Gespräche mit der Schule vorzubereiten, kann auch für Sie selbst ein Thema sein. Eltern sind bei Bridge & Bloom eigenständige Klientinnen und Klienten. Mehr dazu auf der Seite Für Eltern.

Das eigene Ufer. Hier darf es anfangen.
Eine Wiese mit verschiedenen Gräsern und Wildblumen am Flussufer im Abendlicht.

06Bloom

Wie es klingen kann, wenn du für dich einstehst

Selbstvertretung ist oft leiser, als man denkt. Stell dir vor, wie die nächste Woche klingen könnte:

  • Ein Gespräch, in dem dein Anliegen schon im ersten Satz steht.

  • Ein Nein, das früh genug kommt.

  • Eine E-Mail statt eines Gesprächs, weil das für dich der bessere Weg ist.

  • Ein Missverständnis, das sich aufklärt, statt sich festzusetzen.

  • Eine Kritik, die trifft, dich aber nicht den ganzen Tag mitnimmt.

  • Ein Satz, mit dem du für dich einstehst.

Beispiele, keine Versprechen. Jede Entwicklung sieht anders aus, und jede zählt.

07Grenzen

Was diese Begleitung ist und was nicht

Dafür ist es da

  • Herausfinden und benennen, was du brauchst
  • Wichtige Gespräche vorbereiten, üben und auswerten
  • Grenzen setzen, solange es noch geht
  • In ausgewählten Situationen Begleitung zu einem Gespräch, in dem du sprichst

Das ist es nicht

  • Kein Sprechen an deiner Stelle und keine rechtliche Vertretung
  • Keine Beratung von Arbeitgebern
  • Keine Psychotherapie, etwa wenn Ängste deinen Alltag bestimmen
  • Keine Diagnostik und keine Krisenhilfe

Wenn Gespräche dich so belasten, dass es dir seit Wochen grundsätzlich schlecht geht, gehört das ärztlich oder psychotherapeutisch abgeklärt. Coaching kann daneben stehen. Wenn es gerade akut ist, wende dich bitte sofort an ärztliche oder notfallpsychiatrische Stellen in deiner Nähe, im Notfall 144 oder 112.

08Wissen

Wissensbeiträge zu Kommunikation und Selbstvertretung

Diese Beiträge vertiefen einzelne Fragen von dieser Seite, in Ruhe und in deinem Tempo.

09Fragen

Häufige Fragen zu Kommunikation und Selbstvertretung

Was bedeutet Selbstvertretung?

Selbstvertretung heisst, die eigenen Bedürfnisse zu kennen, sie so zu benennen, dass andere darauf eingehen können, und für sie einzustehen. Das kann ein Gespräch mit einer Lehrperson sein, eine E-Mail an den Lehrbetrieb oder ein klares Nein in der Familie. Es heisst nicht, jeden Konflikt auszufechten.

Gibt es Begleitung zu einem wichtigen Gespräch, etwa an der Schule?

In einer bestehenden Coaching-Beziehung und in ausgewählten Situationen ja. Ob das sinnvoll ist, klären wir vorher. Du sprichst, ich halte den Faden und werte danach mit dir aus. Es ist keine rechtliche Vertretung.

Erfahren meine Eltern, was ich im Coaching erzähle?

Wenn du selbst Klientin oder Klient bist, sind die Gespräche vertraulich. Was deine Eltern erfahren, klären wir zu Beginn gemeinsam. Ausnahmen gibt es nur dort, wo das Gesetz sie zum Schutz vorsieht.

Muss ich im Coaching viel reden?

Nein. Wir beginnen in deinem Tempo und mit deinen Worten. Skalen, Bilder, Notizen und Pausen gehören dazu. Wenn dir Schreiben leichter fällt als Sprechen, ist das eine wichtige Information und kein Hindernis.

Geht es darum, dass ich mich besser anpasse?

Nein. Es geht nicht darum, Masking zu perfektionieren oder neurotypisch zu wirken. Es geht darum, verstanden zu werden und selbst zu entscheiden, wo sich Anpassung für dich lohnt und wo nicht. Du musst nicht jemand anderes werden.

Ein Stein nach dem anderen. Mit Boden unter den Füssen.

10Der erste Schritt

Wenn ein Gespräch ansteht, ist das ein guter Anlass.

Im Kennenlerngespräch klären wir, worum es dir geht, wie ich arbeite und ob Coaching passt. Ein bestimmtes Gespräch, das bevorsteht, kann unser Ausgangspunkt sein. Es ist keine kostenlose Coaching-Sitzung, und am Ende entscheidest du. Ohne Abschlussdruck und ohne Nachfassen.

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