01Das eigene Ufer

Woran wir arbeiten können

Alltag und exekutive Funktionen: Struktur, die zu deinem Kopf passt

Exekutive Funktionen sind die Vorgänge, mit denen aus einer Absicht eine Handlung wird: anfangen, planen, Zeit einschätzen, dranbleiben. Bei ADHS und Autismus arbeiten sie oft anders, und das ist keine Charakterfrage. Im Coaching findest du heraus, an welcher Stelle dein Alltag kippt, und baust Strukturen, die mit deinem Kopf arbeiten statt gegen ihn.

Für Jugendliche und junge Erwachsene von 14 bis 25 · mit oder ohne Diagnose · online und in Rheinfelden

Ein ruhig gedeckter Morgentisch mit Wasserglas, Äpfeln und Notizblock.

02Wiedererkennen

Wenn der Alltag mehr Kraft kostet, als man sieht

Fünf Sätze, die viele kennen. Es sind typische Beispiele, keine Zitate und keine Checkliste für eine Diagnose. Vielleicht erkennst du dich in einem davon wieder, vielleicht in keinem. Beides ist in Ordnung.

Typische Beispiele aus der Arbeit mit neurodivergenten Menschen, keine Aussagen von Klientinnen oder Klienten.

03Verstehen

Was hinter Alltagsschwierigkeiten stecken kann

Von aussen sieht es oft gleich aus: Die Aufgabe liegt da, und du machst etwas anderes. Doch nicht anfangen zu können ist nicht dasselbe wie nicht anfangen zu wollen.

Exekutive Funktionen sind nicht dasselbe wie Intelligenz, Wissen oder Motivation. Genau das macht es so verwirrend: Du weisst, was zu tun ist, du willst es sogar, und es passiert trotzdem nicht. Thomas E. Brown beschreibt exekutive Funktionen als Zusammenspiel mehrerer Bereiche, vom In-Gang-Kommen über Aufmerksamkeit und Anstrengung bis zum Umgang mit Gefühlen. Russell Barkley hat darauf hingewiesen, dass bei ADHS auch das Regulieren von Gefühlen dazugehört. Frust, Scham oder Aufregung können eine Aufgabe deshalb viel schwerer machen, als sie von aussen wirkt.

Bei Autismus spielt oft etwas anderes mit. Das Konzept des Monotropismus beschreibt eine Aufmerksamkeit, die tief in wenige Dinge gleichzeitig geht. Das kann eine grosse Stärke sein. Es macht aber jeden Wechsel teurer: von einer Aufgabe zur nächsten, vom Zimmer in den Schulbus, vom Gespräch zurück zur Arbeit. Dazu kommen Reize, die andere kaum bemerken, und die Kraft, die das Anpassen kostet.

Viele kennen ausserdem diesen Unterschied: Was interessiert oder drängt, geht. Was nur wichtig ist, bleibt liegen. Das ist keine Ausrede, sondern eine nützliche Information, mit der sich planen lässt.

Deshalb fangen wir im Coaching nicht bei mehr Disziplin an, sondern bei der Frage: An welcher Stelle genau kippt es? Das ist selten dort, wo man es vermutet. Und es ist selten Faulheit.

04Die Brücke

Wie wir im Coaching an deinem Alltag arbeiten

Keine Liste mit zwanzig Tricks. Wir suchen zwei oder drei Strategien, die in dein echtes Leben passen, und prüfen, ob sie halten.

  1. Verstehen, wo es kippt

    Mit der Lernschlaufe schauen wir auf einen konkreten Moment: Was ist kurz davor passiert? Das Käfermodell zeigt in sechs Lebensbereichen, wo gerade Last liegt und wo Kraft. Das Eisberg-Modell hilft zu sehen, was unter einem Verhalten liegen kann. So entsteht ein Bild davon, warum zum Beispiel die Morgen kippen.

  2. Struktur, die zu deinem Kopf passt

    Äussere Struktur kann übernehmen, was innen schwerfällt: visuelle Pläne, ein TimeTimer, der die restliche Zeit als Fläche zeigt, Checklisten, kleinere Schritte. Oft hilft es, den Anfang an etwas zu hängen, das ohnehin passiert, etwa an das Zähneputzen oder das Heimkommen.

  3. Überlastung früher erkennen

    Mit dem Overload-Meter lernst du, deine Anspannung einzuschätzen, bevor sie kippt. Gemeinsam sammeln wir deine Frühwarnzeichen und machen einen Beruhigungsplan: Was hilft dir, wenn es zu viel wird, und wo kannst du kurz raus?

  4. Ausprobieren und auswerten

    Du wählst einen Schritt, den du dir zutraust, und probierst ihn im Alltag aus. Danach schauen wir, was passiert ist. Wenn es funktioniert, machst du mehr davon. Wenn nicht, probierst du etwas anderes. Ein Rückschritt ist eine Information, kein Scheitern.

Der Boden darunter: innere Balance

Jede Sitzung beginnt mit einer Frage: „Wie ausgeglichen fühlst du dich heute, von 1 bis 10?“ Bei einer 3 stabilisieren wir zuerst. Bei einer 7 darf der nächste Schritt grösser sein.

Themen, die oft vorkommen
  • Anfangen, auch bei Aufgaben, die seit Wochen liegen
  • Reihenfolge und Priorisieren, wenn alles gleich dringend wirkt
  • Zeitgefühl und realistische Planung
  • Dranbleiben, wenn die Mitte zäher ist als der Anfang
  • Energie, die über Tag und Woche schwankt
  • Routinen mit eingeplantem Wiedereinstieg
  • Die Organisation rund um Lernen, Hausaufgaben und Prüfungsphasen
Worauf das fachlich aufbaut

Die Arbeit verbindet lösungsorientiertes Coaching nach de Shazer und Kim Berg mit Forschung zu exekutiven Funktionen (Thomas E. Brown) und zur emotionalen Regulation bei ADHS (Russell Barkley). Ausführlich beschrieben unter So arbeite ich.

05Für Eltern

Für Eltern: begleiten, ohne das System zu übernehmen

Wenn Sie diese Seite für Ihr Kind lesen: Arbeit an exekutiven Funktionen gelingt mit dem jungen Menschen, nicht über ihn hinweg. Ein System, das Sie einführen und überwachen, bleibt Ihr System. Es endet oft dann, wenn Sie nicht mehr daneben stehen.

Was Sie selbst verändern können, ist oft kleiner und wirksamer, als es scheint. Ein Beispiel ist deklarative Sprache: „Die Turnschuhe stehen an der Tür.“ statt „Zieh jetzt endlich deine Schuhe an!“ Beschreiben statt auffordern nimmt Druck heraus, ohne dass Verantwortung verschwindet.

Wenn Ihr Kind selbst ins Coaching kommt, führen seine Ziele. Was Sie erfahren, klären wir zu Beginn gemeinsam. Sie können auch eigenständig Klientin oder Klient sein, selbst wenn Ihr Kind nie ins Coaching kommt. Mehr dazu auf der Seite Für Eltern und im Beitrag Unterstützen, ohne ständig zu kontrollieren.

Keine Blüte muss zu einer anderen werden.

06Bloom

Wie sich ein leichterer Alltag anfühlen kann

Kein perfekt organisiertes Leben, sondern ein paar Stellen, an denen es leichter wird. Stell dir einen ganz gewöhnlichen Mittwoch vor:

  • Ein Morgen, an dem die Tasche schon am Abend bereitsteht.

  • Eine Aufgabe, die nach Wochen angefangen ist, mit einem fast lächerlich kleinen ersten Schritt.

  • Ein Plan, der auch einen schlechten Tag übersteht.

  • Ein Nachmittag, an dem du merkst, dass es zu viel wird, bevor es zu viel ist.

  • Ein Ausfall, nach dem du wieder einsteigst, ohne alles nachzuholen.

  • Weniger Kraft für dieselben Dinge.

Beispiele, keine Versprechen. Jede Entwicklung sieht anders aus, und jede zählt.

07Grenzen

Wofür dieses Coaching da ist und wofür nicht

Wenn deutlich wird, dass du etwas anderes brauchst, sage ich das und verweise weiter.

Dafür ist es da

  • Verstehen, wie du funktionierst und wo dein Alltag kippt
  • Strukturen und Routinen bauen, die zu dir passen
  • Überlastung früher erkennen und abfangen
  • Mit oder ohne ADHS- oder Autismus-Diagnose

Das ist es nicht

  • Kein Produktivitätstraining
  • Keine Diagnostik und keine ADHS-Abklärung
  • Keine Psychotherapie und keine medizinische Behandlung, auch keine Beratung zu Medikamenten
  • Keine Krisenhilfe

Wenn seit Wochen durchgehend nichts mehr geht, unabhängig von Aufgabe und Tag, ist das vermutlich keine Frage des Anfangens. Anhaltende Erschöpfung, Niedergeschlagenheit oder Angst gehören ärztlich oder psychotherapeutisch abgeklärt. Coaching kann daneben stehen, ersetzt das aber nicht. Wenn es gerade akut ist, wende dich bitte sofort an ärztliche oder notfallpsychiatrische Stellen in deiner Nähe, im Notfall 144 oder 112.

08Wissen

Wissensbeiträge zu Alltag und exekutiven Funktionen

Diese Beiträge vertiefen einzelne Fragen von dieser Seite, in Ruhe und in deinem Tempo.

09Fragen

Häufige Fragen zu exekutiven Funktionen und Coaching

Was sind exekutive Funktionen?

Exekutive Funktionen sind die geistigen Vorgänge, mit denen aus einer Absicht eine Handlung wird: eine Aufgabe beginnen, planen und priorisieren, Zeit einschätzen, Impulse zurückhalten und dranbleiben. Sie sind nicht dasselbe wie Intelligenz oder Motivation. Bei ADHS und Autismus arbeiten sie oft anders.

Brauche ich eine ADHS- oder Autismus-Diagnose?

Nein. Coaching setzt keine Diagnose voraus, und es stellt auch keine. Wenn du eine Abklärung möchtest, ist das ein eigener Weg über ärztliche oder psychologische Fachstellen. Mehr im Beitrag Brauche ich eine Diagnose, bevor ich Coaching beginne?

Ist das ein Lern- oder Produktivitätscoaching?

Nicht im üblichen Sinn. Es geht nicht darum, mehr zu schaffen, sondern weniger Kraft für dasselbe zu brauchen. Lernen und Prüfungsphasen können Thema sein, wenn es darum geht, wie du sie organisierst.

Wie schnell verändert sich etwas?

Das lässt sich nicht versprechen, und eine feste Zahl an Sitzungen wäre unehrlich. Oft zeigt sich zuerst etwas Kleines: ein Morgen, der leichter läuft, ein Plan, der hält. Wir prüfen regelmässig, ob die Zusammenarbeit noch nützlich ist. Dass du mich mit der Zeit weniger brauchst, ist das Ziel.

Meine Eltern wollen das Coaching, ich eigentlich nicht. Was jetzt?

Coaching funktioniert nur, wenn du selbst etwas davon hast. Im Kennenlerngespräch kannst du in Ruhe schauen, ob es für dich passt, und am Ende entscheidest du mit. Für deine Eltern gibt es den Beitrag Wenn mein Teenager keine Hilfe möchte.

Ein eigener Weg darf schmal anfangen.

10Der erste Schritt

Eine Aufgabe, die seit Wochen liegt, reicht als Anfang.

Im Kennenlerngespräch klären wir, worum es dir geht, wie ich arbeite und ob Coaching passt. Ein konkretes Beispiel reicht als Ausgangspunkt. Es ist keine kostenlose Coaching-Sitzung und keine Abklärung, und am Ende entscheidest du. Ohne Abschlussdruck und ohne Nachfassen.

  • 20 bis 30 Minuten
  • Kostenlos und unverbindlich
  • Online oder in Rheinfelden